30.11.2011

Preisträger des Urban Quality Award 2011

Preisträger des Urban Quality Award 2011

Eurohypo: Krakauer Platz der Helden des Ghettos gewinnt Urban Quality Award
Gelungene Verbindung von Mahnmal und öffentlichem Raum ausgezeichnet

• Platz 2 teilen sich zwei Projekte aus Berlin und Hannover
• Besondere Anerkennung für Open-Air-Bibliothek in Magdeburg

Eschborn, 30. November 2011. Der Platz der Helden des Ghettos in Krakau, Mahnmal,
Kunstwerk und ein lebendiger öffentlicher Raum zugleich, wurde heute in Frankfurt am Main
mit dem Urban Quality Award 2011 ausgezeichnet. Den zweiten Platz belegten gemeinsam
der Klagesmarkt / Goseriede, Hannover City 2020+ und der Park am Gleisdreieck in Berlin.
Mit einer besonderen Anerkennung wurde darüber hinaus das Lesezeichen Salbke, eine
Open Air-Bibliothek in Magdeburg, gewürdigt.

Seit 2006 vergibt die Eurohypo alljährlich diesen Preis an beispielhafte Projekte
zukunftsfähiger Stadtentwicklung. „Es geht uns um mehr Lebensqualität in Städten, um eine
Stadtplanung, die eingeht auf die Bedürfnisse der Menschen nach einem lebenswerten
Umfeld“, erläuterte Eurohypo-Vorstandssprecher Thomas Köntgen die Motive der Eurohypo,
den Urban Quality Award auszuloben. Dafür trage seine Bank als Finanzierer gewerblicher
Immobilienprojekte besondere Verantwortung, so Köntgen.

Den mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Preis vergibt die Eurohypo an Projekte, die die
besten Antworten auf die ökologischen, ökonomischen, demografischen und sozialen Fragen
einer zukunftsfähigen Stadt geben.

Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Westhafenpier Frankfurt sprach der frühere
Kulturstaatsminister Prof. Julian Nida-Rümelin als Gastredner über die Philosophie der
Urbanität. „Unter „Urbanität“ sollten wir nichts anderes verstehen als die Ethik der Stadt“. In
seinem Vortrag setzte er sich mit Fragen auseinander, unter welchen Bedingungen
unterschiedliche Lebensformen und Kulturen in der Stadt gedeihlich möglich sind. Städte
seien, sagte er, „durch kulturelle Differenzen und Unterschiede der Lebensformen geprägt
und dies übrigens nicht nur durch Migration, sondern auch dadurch, dass sich
unterschiedliche Lebensformen, die auch mit dem sozioökonomischen Status oder mit
bestimmten Wertorientierungen zusammenhängen, in einer Stadt so miteinander verbinden
können lassen müssen, dass die Stadt nicht auseinander fällt, dass es aber auch nicht an den
Grundregeln des Respekts und der Anerkennung fehlt.“ Stadtplanung muss all das
miteinander vereinbaren.
„Unter den 90 Projekten, die 2011 für den Urban Quality Award eingereicht wurden, zeichnen
sich ungewöhnlich viele Projekte durch höchste Qualität aus“, sagte Prof. Dr. Schöbel-
Rutschmann von der Technischen Universität München, der mit seinem wissenschaftlichen
Team im Rahmen der Vorprüfung alle eingereichten Projekte bewertete. „Das machte die
Auswahl in diesem Jahr besonders schwer. Die Jury hat sich schließlich entschieden, drei
Projekten den Preis zuzuerkennen sowie eine besondere Anerkennung auszusprechen“

Gold für den Platz der Ghetto-Helden in Krakau
Nach Ansicht der unabhängigen Fachjury, der Architekten, Stadtplaner und Journalisten
angehören, war in diesem Jahr der Platz der Ghetto-Heldenin Krakau der überzeugendste
Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Das Projekt hebt sich schon allein von seinem
historischen Hintergrund stark von allen anderen eingereichten Arbeiten ab. Auf dem früher so
genannten Umschlagplatz im Stadtteil Podgorze mussten sich im Zweiten Weltkrieg die Juden
des Krakauer Ghettos vor dem Abtransport in die Vernichtungslager versammeln. Das
zentrale Element des neu gestalteten Platzes sind 70 leere Bronzestühle, die symbolisch für
die Hinterlassenschaften der Deportierten stehen. Sie sollen die Passanten von heute an das
Geschehen von damals erinnern, laden zugleich aber zur lebendigen Nutzung des Platzes
ein. Heute versammeln sich Menschen auf diesem Platz um zu feiern, zu musizieren oder zu
diskutieren. Sie werden von der historischen Last des Ortes nicht erdrückt, sondern zum
Dialog ermutigt. Dieses Projekt des Krakauer Architekturbüros Projektów Lewicki ?atak
prämierte die Jury mit dem ersten Platz und einem Preisgeld von 25.000 Euro.

 

Plac Bohaterów Getta/Platz der Helden des Ghettos, Krakau

 

Plac Bohaterów Getta/Platz der Helden des Ghettos, Krakau

 

Zweimal Silber
Der zweite Preis und eine Prämie von 10.000 Euro ging an das Projekt, das die
Landschaftsarchitekten von JBBUG johannes böttger büro urbane gestalt zusammen mit den
Planern des Architekturbüros ASTOC, beide aus Köln eingereicht hatten. Sie gestalten
gemeinsam mit ihrem Entwurf den Klagesmarkt und Goseriede in Hannover neu und
definieren diesen Teil der Stadt als einen neuen zentralen innerstädtischen Raum. Auf diese
Weise wurden Auswüchse der „autogerechten Stadt“ der 50er und 60er Jahre zurechtgestutzt
und den Hannoveranern ein grünes Dreieck im historischen Zentrum ihrer Stadt
zurückgegeben.

 

Klagesmarkt/Goseriede, Hannover City 2020+

 

Klagesmarkt/Goseriede, Hannover City 2020+


Ebenfalls Silber und eine Prämie von 10.000 Euro wurde dem Atelier Loidl aus Berlin
zuerkannt, das eine riesige innerstädtische Brachfläche in einen urbanen Raum von hohem
Erholungs- und Erlebniswert verwandelte: den Park am Gleisdreieck zwischen den Stadtteilen
Schöneberg und Kreuzberg. Als typisch Berliner Park – zugleich robust und sinnlich – bietet er
allen denkbaren Nutzungsformen weiten Raum: zur Begegnung, zur Kreation und zur
Rekreation. Der Jury des Urban Quality Award war die Gestaltung der neuen grünen Lunge
Berlins einen weiteren, mit 10.000 Euro dotierten zweiten Platz wert.

 

Park am Gleisdreieck, Berlin

 

Park am Gleisdreieck, Berlin


Besondere Anerkennung
Für ihr kleineres, aber besonders originelles öffentliches Bauwerk, das Lesezeichen Salbke in
Magdeburg, erhielt das Büro KARO* architekten aus Leipzig zusammen mit
Architektur+Netzwerk aus Magdeburg eine besondere Anerkennung und eine Prämie von
5.000 Euro. Die soziale Plastik dient den Einwohnern des Stadtteils Salbke zugleich als
Veranstaltungsort, Lärmschutz und Freiluft-Bibliothek, aus deren öffentlich zugänglichen
Vitrinen sich jeder mit Lesestoff versorgen darf. Die Eurohypo will mit dieser Geste die
Bemühungen der Bevölkerung für den Erhalt dieser Bibliothek unterstützen.

 

Lesezeichen Salbke – Freiraum Bibliothek, Magdeburg

 

Lesezeichen Salbke – Freiraum Bibliothek, Magdeburg


Über den Urban Quality Award
Als Bank für gewerbliche Immobilienfinanzierung sieht sich die Eurohypo AG in einer
besonderen Verantwortung, zur Qualität des urbanen Lebens und zur Zukunftsfähigkeit
unserer Städte beizutragen. Der 2006 ins Leben gerufene Urban Quality Award ist Ausdruck
dieser Verantwortung.
Der Preis wurde in diesem Jahr für Projekte aus Deutschland, dem Stammland der Eurohypo,
und Polen als einem ihrer Kernmärkte geöffnet.

Die unabhängige Jury des Urban Quality Award besteht aus:
• Prof. Sophie Wolfrum von der Fakultät für Architektur der TU München
• Prof. em. Klaus Daniels, München, TU Darmstadt, Fachbereich Architektur, Entwerfen
und Gebäudetechnologie
• Dr. Krzysztof Domaradzki, Architekt und Stadtplaner, Warschau
• Ewa Porebska, Chefredakteurin Architektura-murator, Warschau
• Robert Schäfer, München, Chefredakteur Garten+Landschaft und Topos, vertreten durch
Tanja Gallenmüller, Redakteurin Topos.

Die Vorauswahl aus den 90 eingereichten Projekten traf ein Team unter Prof. Sören Schöbel-
Rutschmann von der TU München.

 

Mehr Infos zu den Projekten

 

Weitere Informationen sind unter www.urbanqualityaward.comzu finden.


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